Angeklagt

Liebe Geschwister,

vor ein paar Jahren erstatte ein Mann in Rumänien Anzeige. Der Grund war, dass er nach seiner Ansicht einen Vertrag eingegangen ist und sein Vertragspartner den Vertrag nicht eingehalten habe. Im ersten Moment denkt man vielleicht an einen Geschäftsmann, einen Immobilienmakler oder einen Autoverkäufer. Das trifft auf den Beklagten aber nicht zu. Der Beklagte war noch nicht einmal ein Mensch, sondern Gott. Adressiert war sie an den „sogenannten Gott, wohnhaft im Himmel und in Rumänien vertreten durch die orthodoxe Kirche.“ Der Vorwurf war, dass der Mann mit seiner Taufe doch einen Vertrag mit Gott eingegangen ist. Gott bekam vom Ankläger Gebet und auch ein paar Spenden, im Gegenzug sollte Gott den Mann vor dem Bösen bewahren. Doch Gott hat den Vertrag aus Sicht des Mannes nicht eingehalten. Ich habe durchaus Verständnis, wenn Menschen Gott nicht nur ihr Leid klagen, sondern auch anklagen. Es gibt Schicksalsschläge, die man nicht leicht wegstecken kann. Im Buch der Psalmen sind einige Aussagen von Menschen zu finden, die Schweres erleben mussten und in Folge hart mit Gott ins Gericht gingen. Bei dem Mann aus Rumänien sah es aber anders aus. Als er die Anzeige erstatte, saß er im Gefängnis und saß eine 20-jährige Haftstrafe wegen Mordes ab. Die Klage wurde natürlich abgewiesen mit der Begründung, dass Gott keine juristische Person ist und keine Postadresse besitzt. Interessant wäre so ein Prozess aber trotzdem gewesen. Jedes mal, wenn wir das Vaterunser beten, sagen wir: „Erlöse uns von dem Bösen“, (Mt 6,13). Paulus segnet die Gemeinde in Thessalonikki mit den Worten: „Der Herr aber ist treu. Er wird euch Kraft geben und euch vor dem Bösen bewahren“, (2Thess 3,3). Das Versprechen steht im Raum, dass mit Gott weniger Böses im Leben vorkommt. Ich bin schon davon überzeugt, dass Gott vor Bösem bewahrt und ich das mitunter gar nicht mitbekomme. Ich bin davon überzeugt, dass Gott übernatürlich eingreift und Schaden von mir fernhält. Es gibt aber nicht nur das Böse, dass mir widerfährt. Es gibt auch das Böse, das in mir selbst ist, nicht nur in mir, sondern in allen Menschen. Wir brauchen nur mal in diese Welt zu schauen. Menschen führen Kriege, beuten die Erde aus und zerstören Lebensräume. Aber das Böse findet sich auch im Kleinen, wo Menschen neidisch, habgierig, hochmütig, lieblos sind oder Zwietracht sähen. Schaut Gott nur tatenlos zu? Kann man ihm in diesen Dingen vorwerfen, nichts zu tun? Kann man deshalb Gott anklagen wie der Mann aus Rumänien, der aufgrund seiner eigenen Tat im Gefängnis saß? Gegen alles Böse, was aus dem Herzen des Menschen kommt, geht Gott an. Im ersten Schritt, in dem er dem Menschen das Angebot der Vergebung macht. In der Vergebung sagt Gott: „Ich mache reinen Tisch, ich will nicht mehr an das denken, was du getan hast. Fangen wir neu an.“ Befreit von Schuld biete Gott den zweiten Schritt an, es in Zukunft besser zu machen. Gott sagt in seinen Geboten und Aufforderungen: „Ich zeige dir einen Weg, auf dem du befreit und erlöst von dem Bösen leben kannst, das im Menschen ist.“

Diese Woche ist Buß- und Bettag. Dieser Tag steht dafür, sich den dunklen Seiten unserer Selbst zu stellen. Dem, wo wir uns von diesen guten Wegen Gottes entfernt und Schuld auf uns geladen haben. Das können wir hoffnungsvoll tun, weil Gott vergibt und nach vorne schaut, um mit dir einen besseren Weg zu gehen.

D. Behrens

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