Der Kettenzug

Liebe Geschwister,

vor zwei Wochen hatte ich in der Andacht „Lego oder Liebe“ erwähnt, dass mein Sohn auf einen großen Legobausatz spart. Eigentlich hätte es noch ein paar Wochen gedauert, bis er ihn sich hätte kaufen können, aber nun hat es doch schneller geklappt. Das Ganze geschah so: Am zweiten Weihnachtsfeiertag feierten wir im größeren Familienkreis. Nach dem Mittagessen machten wir dann ein Schrottwichteln. Falls du das nicht kennst: Jeder nimmt von zu Hause einen Gegenstand mit, den er los werden möchte. Der wird eingepackt, damit niemand weiß, was es ist. Dann wird ausgewürfelt, wer welches „Geschenk“ bekommt, anschließend hat man noch die Möglichkeit zu tauschen. Das ist lustig und man kann sich so von Dingen trennen, die man loswerden, aber nicht wegschmeißen möchte. Der Nachteil ist, man hat am Ende vielleicht sogar mehr oder größeren Krempel als vorher. Ich habe natürlich extra große Dinge ausgesucht, in der Hoffnung, zu Hause etwas mehr Platz zu bekommen. Der Plan ging nach hinten los. Mein Sohn erwürfelte ein besonders großes und schweres Geschenk. Als er es öffnete, guckte er erst mal unwissend, da er nicht wusste, was er da bekommen hatte. Mein Schwager gab sich als Urheber dieses Geschenkes zu erkennen: „Das ist ein Kettenzug, damit kannst du sogar einen Panzer abschleppen.“ Und damit hatte er meinen Sohn überzeugt. Ich weiß zwar nicht wozu, aber mein siebenjähriger Sohn war nun fest davon überzeugt, dass er diesen zwanzig Kilo schweren Kettenzug zum Spielen im Garten bräuchte. Er ließ sich durch kein Argument davon abbringen. Also sagte ich irgendwann, dass wenn er ihn wirklich behalten möchte, ihn in den Kofferraum tragen soll. Da er das nicht konnte gab ich irgendwann nach und packte das Ding ein. Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon ständig diesen Berg Metall hin und her tragen, weil er irgendwo unter höchster Kraftanstrengung von meinem Sohn hin gezerrt und dann liegengelassen wurde. Zwischendrin fragte ich mich auch wie schlimm wohl die Quetschungen währen, die das Ding an kleinen Kinderfingern verursachen könnte, aber das nur nebenbei. Irgendwann hatte ich eine Idee. Ich fragte mich was das Ding wohl wert ist. Ich stellte fest, dass der Kettenzug bis zu fünfzig Euro bringen könnte, vorausgesetzt man findet einen Käufer. Das wäre mehr Geld als das, was meinem Sohn noch fehlte, um den Legobausatz zu kaufen. Also machte ich meinem Sohn einen Vorschlag. Wir verkaufen den Kettenzug und er hätte dann genügend Geld um sich seinen langersehnten Bausatz zu kaufen. Er war nicht sofort überzeugt, aber irgendwann willigte er ein. Voraussetzung war, dass ich noch ein „Abschiedsfoto“ von seinem geliebten Kettenzug machte. Dann war er bereit sich davon zu trennen. Es dauerte ein paar Tage, bis sich ein Käufer fand, aber dann waren wir das Ding los. Kurze Zeit später saßen wir vor dem Computer und er selbst klickte auf das Feld auf dem „Jetzt bestellen“ stand.  Als dann einige Tage später der Legobausatz mit der Post ankam stand er natürlich sofort an der Tür um sein Paket aufgeregt und freudestrahlend entgegenzunehmen. Mich erinnerte das an ein Gleichnis, das Jesus erzählt hat: „Das Himmelreich gleicht einem Schatz, der im Acker vergraben ist: Ein Mann entdeckte ihn und vergrub ihn wieder. Voller Freude ging er los und verkaufte alles, was er hatte. Dann kaufte er diesen Acker. Ebenso gleicht das Himmelreich einem Kaufmann: „Der war auf der Suche nach schönen Perlen. Er entdeckte eine besonders wertvolle Perle. Da ging er los und verkaufte alles, was er hatte. Dann kaufte er diese Perle.“ (Mt 13,44ff) Jesus möchte mit diesen Gleichnissen nicht dazu auffordern alles zu verkaufen. Es geht in diesen Gleichnissen um Freude über das Himmelreich. Freude, die bereit macht loszulassen. Im ersten Gleichnis ist der Mann so voller Freude, dass er alles verkauft, weil er etwas Besseres gefunden hat. Bei dem Kaufmann ist die Freude nicht erwähnt aber er war schon länger auf der Suche nach einer besonderen Perle. Da wird er sich wohl auch gefreut haben, als er sie endlich fand. Mein Sohn freute sich auch, als er erkannte, dass er sich nun endlich den Legobausatz kaufen konnte. Die Freude half ihm seinen Kettenzug loszulassen (was mich noch immer freut). Aber was bedeutet das konkret? Das Himmelreich oder das Reich Gottes ist nicht nur ein zukünftiger Ort in der Ewigkeit. Das Himmelreich beginnt schon da, wo Menschen mit und für Gott leben und sich an ihm orientieren. Das Himmelreich bricht zum Beispiel da an, wo ich meine Tagesplanung loslasse, um jemanden spontan in Not zu helfen. Das Himmelreich bricht schon da an, wo ich meinen Groll gegenüber einem Menschen loslassen um zu vergeben und um mich zu versöhnen. Ich weiß, loslassen ist nicht immer leicht, aber denk an die Freude. Denk an die Freude, wenn du jemanden helfen konntest. Denk an die Freude, wenn mit der Hilfe Gottes Vergebung und Versöhnung Wirklichkeit geworden ist.

D. Behrens

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