Liebe Geschwister,

hast du schon einmal von James Howells gehört? Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder etwas von ihm in den Nachrichten mitbekommen. Das Besondere an ihm ist: Er ist Millionär. Naja – eigentlich ist er „Müllionär“, weil seine Millionen auf einer Müllkippe liegen. Wie konnte das passieren? Die Geschichte begann im Jahr 2009. In diesem Jahr startete die Kryptowährung Bitcoin. Anders als unser Bargeld sind Bitcoins eine digitale Währung, und das Geld befindet sich nicht in einem Portemonnaie, sondern auf einer Festplatte.

James Howells hatte schon wenige Jahre nach dem Start des Bitcoins etwa 5000 Einheiten gekauft – damals für 0,005 Dollar pro Stück, also insgesamt für rund 25 Dollar. Schon 2012 war der Bitcoin stark im Wert gestiegen. Hätte James Howells damals verkauft, hätte er rund 40 Millionen Euro bekommen. Doch anstatt seine Bitcoins zu verkaufen, tat er etwas anderes: Er räumte seine Wohnung auf und entsorgte dabei auch einiges an Elektroschrott. Tragisch war, dass er in einer Schublade zwei ähnlich aussehende Festplatten hatte. Eine wollte er entsorgen – und auf der anderen lagen seine Bitcoins. Ich brauche euch wohl nicht zu sagen, welche Festplatte er weggeschmissen hat. Seine Festplatte landete auf einer gewöhnlichen Restmülldeponie in Newport, Wales.

Seitdem hat James Howells alles Mögliche versucht, um sie wiederzubekommen – leider ohne Erfolg. Aktuell plant die Stadt Newport, die Mülldeponie zu schließen und darauf einen Solarpark zu bauen. Howells hingegen möchte die Mülldeponie kaufen. Mittlerweile hat er Investoren an seiner Seite, die ihn dabei unterstützen. Der Grund ist einfach: Der Wert des Bitcoins ist seitdem weiter gestiegen, sodass er theoretisch ein Vermögen von rund 800 Millionen Euro besitzt. Aber eben nur theoretisch – denn alles liegt auf einer Festplatte, die inzwischen womöglich beschädigt ist, unter dem Müll von über einem Jahrzehnt, auf einer Deponie, die ihm nicht einmal gehört. Mich erinnert James Howells an eine Person aus den Gleichnissen von Jesus:

„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.“ (Mt 13,44)

Was bei Howells und dem Menschen aus Jesu Geschichte gleich ist, ist die Entschlossenheit, mit der sie sich daran machen, den Schatz – beziehungsweise die Festplatte – zu bekommen. Natürlich gibt es auch Unterschiede: Howells hatte Pech, der Mensch in Jesu Geschichte Glück. Howells hat keine Gewissheit, dass er jemals an sein Geld kommt. Ich glaube aber, dass es in Jesu Geschichte eine Garantie gibt. Es geht Jesus um das Himmelreich. Und das ist nicht nur etwas Zukünftiges, sondern etwas, das schon jetzt beginnt. Überall dort, wo sich Menschen auf Gott einlassen – auf seine Vergebung, seine Gnade, seine Liebe und seine Barmherzigkeit –, da bricht das Himmelreich an. Das hat Gott versprochen.

Ich glaube, solche Momente können wir oft erleben – wenn ein Mensch zum ersten Mal Gott erfährt, aber auch später. In Jesu Geschichte passiert etwas völlig Unvermutetes: Mitten im Acker, in der täglichen Routine, können wir etwas finden, das wirklich wichtig ist. Vielleicht ärgert man sich im ersten Moment sogar darüber, wie ein Bauer sich damals vielleicht über einen dicken Stein geärgert hat, an dem der Pflug hängenbleibt. Aber bei genauem Hinsehen kann es sich als Schatz erweisen – als ein Stück vom Himmelreich. Was kann das bei uns sein? Ein Gespräch zum Beispiel, das zunächst nicht in den Zeitplan passt und wie ein Störfaktor wirkt, sich später aber als überaus erfüllend herausstellt. Oder ein Mensch, der zu einer unpassenden Zeit Hilfe braucht – und nachdem man sich darauf eingelassen hat, wird man mit Dankbarkeit und einem wunderschönen Lächeln beschenkt. Und ich kann mir noch viel mehr vorstellen. Ich bin überzeugt: Gott hat viele solcher Schätze auf dem Acker unseres Lebens vergraben. Wenn ich mich darauf einlasse, wenn ich auch mal etwas investiere und meine Pläne loslasse, dann werde ich diese Schätze erleben.

D. Behrens