Die Unendlichkeitsmaschine

Liebe Geschwister,

weißt du, was eine Unendlichkeitsmaschine ist? Ich bis vor Kurzem auch nicht. Im Urlaub waren wir in Flensburg in der Phänomenta, das ist ein Wissenschafts-Center. Dort gibt es etliche Experimentierstationen, an denen Kinder Physik, Technik und Mathematik verstehen lernen. Klingt vielleicht erst mal nicht so spannend, unsere Kinder sind aber so lange dortgeblieben, bis zu gemacht wurde. In einem Raum dort stand eine Unendlichkeitsmaschine. Der Name klingt vielleicht etwas spektakulärer als das, was es eigentlich ist. Eine Unendlichkeitsmaschine ist nichts anderes als ein Getriebe, bei der die Bewegung von großen auf kleinen Zahnrädern übertragen wird, dadurch drehen sich die hinteren Zahnräder immer langsamer, bis sie scheinbar stillstehen. Die letzten Zahnräder sind mit einer Kette fixiert. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könne dieses Getriebe unendlich laufen, ohne dass was passiert. In Wirklichkeit ist die Bewegung des Getriebes bei den letzten Zahnrädern nicht mehr sichtbar. Je nachdem, wie viele Zahnräder verbaut sind, könnte es schon etliche Milliarden Jahre dauern, bis sich das letzte Zahnrad einmal komplett gedreht hat und Hunderte Millionen Jahre, bis die Kette am Ende auseinandergerissen wird. Das alles ist natürlich Theorie, denn ich bezweifele, dass eine Unendlichkeitsmaschine so lange laufen wird. Aber so lange sie läuft, sieht es für den Betrachter so aus, als würden sich einige Zahnräder gar nicht bewegen. Mich hat diese Maschine an die Kraft und das Wirken Gottes erinnert. Mitunter erlebe ich die Kraft ganz deutlich, so wie ich das Drehen der ersten Zahnräder ganz deutlich sehe. Zum Beispiel wenn Menschen aus der Beziehung zu Gott heraus ihrem Leben eine neue Wendung geben, oder wenn die Lebensumstände auf einmal so passend sind, dass ich mir das nicht mehr mit einem Zufall erklären kann, sondern erkenne, dass Gott am Wirken ist. Ich kenne aber auch das Gegenteil, das Gefühl, dass sich nichts bewegt. Mitunter kommt es mir so vor, als wäre alles wie eines der letzten Zahnräder: scheinbar keine Bewegung. Aber da du jetzt ja weißt, wie so eine Unendlichkeitsmaschine funktioniert, weißt du auch, dass dort auch eine Bewegung ist, nur nicht wahrnehmbar. So ist es auch mit dem Wirken und er Kraft Gottes: sie ist da, nur nicht immer wahrnehmbar. Jesus hat dazu mal ein Gleichnis erzählt:   

Mit dem Reich Gottes ist es wie bei einem Bauern. Er streut die Körner auf das Land, dann legt er sich schlafen und steht wieder auf –tagaus, tagein. Die Saat geht auf und wächst –aber der Bauer weiß nicht, wie das geschieht. Ganz von selbst bringt die Erde die Frucht hervor. Zuerst den Halm, dann die Ähre und zuletzt den reifen Weizen in der Ähre. Wenn das Getreide reif ist, schickt er sofort die Erntearbeiter los, denn die Erntezeit ist da.« Markusevangelium 4,26-29

Wenn der Bauer aus dem Gleichnis Tag für Tag zu seinem Acker geht, wird er wahrscheinlich auch keinen Fortschritt erkennen, bestenfalls an dem Tag, als er den ersten kleinen Keim entdeckt, der aus dem Boden kommt. In der Regel brauchen wir aber längere Zeiträume, um Wachstum und Veränderung zu erkennen. Das gilt für Pflanzen, aber auch für Menschen und das Wirken Gottes. Mitunter wünsche ich mir Veränderung und das bitte sofort. Bei mir selber, wo ich mit mir selber unzufrieden bin, bei anderen, wo ich verletzendes Verhalten wahrnehme, in der Gemeinde und in der Welt allgemein. Die Unendlichkeitsmaschine hat mich mal wieder daran erinnert, dass ich Geduld brauche. Nur weil ich keine Bewegung und Fortschreiten sehe, heißt das nicht, dass es nicht da ist. So wie Gott Saat aufgehen und Stück für Stück wachsen lässt, ist Gott mit seiner Kraft am wirken. 

D. Behrens

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