Editorial Februar – Juni 20

Art. 2 Abs.2 GG; Art. 4 Abs.2 GG; Art. 5 Abs.5 GG; Art. 6 Abs. 1&2 GG; Art. 8 GG; Art. 10 GG; Art. 11 GG; Art. 12 GG.

Nein, keines meiner Kinder hat wahllos auf die Tastatur eingehämmert. Vielleicht haben Sie es schon erkannt, diese Abfolge von Abkürzungen, Zahlen und Buchstaben sind alles Artikel im Grundgesetz. Es sind die durch die Corona-Krise betroffenen Grundrechte.

Vielleicht hat sich schon vieles entspannt, wenn Sie diese Zeilen lesen. Während ich diese Worte schreibe, ist es aber Mitte April und wir erleben eine Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Bei manchen Punkten ist uns das vielleicht gar nicht so bewusst, zum Beispiel beim Fernmeldegeheimnis. An anderen Punkten merken wir aber ganz deutliche Auswirkungen.

Durch die eingeschränkte Versammlungsfreiheit ist auch das Recht auf freie Religionsausübung betroffen. Das spüren wir am meisten. Christlicher Glaube lebte schon immer davon, dass zwei oder mehrere Menschen direkt zusammenkommen. Und so sind Freiheiten, die bis vor wenigen Wochen noch ganz selbstverständlich waren, nun eingeschränkt.

Grundsätzlich finde ich es gut, dass Maßnahmen ergriffen wurden, die auch auf Kosten unserer Freiheit gehen. Grundsätzlich wissen wir noch zu wenig über das Coronavirus Sars-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Krankheit Covid-19, als dass wir es riskieren könnten, es in irgendeinem Bereich „drauf ankommen zu lassen“. Auf der anderen Seite bewegt mich ein Satz, den der Theologe Jürgen Mette schrieb: „Wer hätte … daran gedacht, dass der zivile Gehorsam der Deutschen jemals die Fundamente des Grundgesetzes derart erschüttern würde?“ Deshalb möchten wir in den kommenden Beiträgen über das Thema „Freiheit“ nachdenken.

Natürlich wünsche ich mir, dass alle Beschränkungen bald wieder aufgehoben werden können, solange es nicht auf Kosten anderer geht. Es geht dabei nicht darum, in die eine oder andere Richtung zu argumentieren, Freiheiten einzufordern oder mehr Verzicht oder dergleichen. Es soll darum gehen, sich der Freiheit bewusst zu werden, sie mehr schätzen zu lernen und sie noch einmal aus christlicher Perspektive zu betrachten.

Pastor Daniel Behrens

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