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Einheit leben

Als Christen sind wir eine Einheit, wir sind schon eins. Vielleicht wirst du bei diesem Satz ungläubig mit dem Kopf schütteln. Ist die Christenheit nicht in unterschiedlichste Kirchen aufgespalten und in sich uneins? Schauen wir mal ins Johannesevangelium, Kapitel 17. Jesus hat sich kurz vor seinem Tod zurückgezogen, um zu beten. Seine Worte richten sich an seinen Vater im Himmel. Jesus Wunsch ist es, dass nach seinem Tod die Jünger nicht in alle Himmelsrichtungen auseinander- laufen und damit alles zu Ende ist. Er wünscht sich, dass diese Gemeinschaft bestehen bleibt. Jesus sagt in diesem Gebet zu seinem Vater:

„Ich bin jetzt auf dem Weg zu dir. Ich bleibe nicht länger in der Welt, aber sie bleiben in der Welt. Heiliger Vater, bewahre sie in deiner göttlichen Gegenwart, die ich ihnen vermitteln durfte, damit sie eins sind, so wie du und ich eins sind.“ (V.11)

Es geht um das „eins sein“, die Jünger sollen eine „Einheit“ sein. Er appelliert aber nicht an die Jünger: „Jetzt seid aber mal eins!“ Jesus bittet seinen Vater, dass er diese Einheit macht. Also nicht die Jünger sollen diese Einheit untereinan- der irgendwie herstellen, sondern das ist Gottes Angelegenheit. Das wird auch in anderen Bibelstellen deutlich. Zum Beispiel in Eph 4, Vers 3:

„Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die der Geist Gottes euch geschenkt hat.“

Diese Verse machen deutlich, dass Einheit etwas ist, was von Gott kommt. Jesus bittet seinen Vater um Einheit, und Gott schenkt sie uns. Ich finde das deswegen so wichtig, weil diese Einheit, von der in der Bibel immer wieder die Rede ist, nichts ist, was wir selber machen können. Das wird mitunter versucht. Es werden enge Grenzen gezogen. Und Einheit, – Einigkeit hat man, wenn alle auf Linie sind. So wird dann gesagt. Aber das ist so nicht richtig. Einheit ist da, wo man sich auf den dreieinigen Gott ausrichtet. Wo man sich auf Gott, den Schöpfer, den auferstandenen Christus und den Heiligen Geist ausrichtet, oder wo man in der „göttlichen Gegenwart“ leben möchte, wie Jesus das in Joh 17,11 ausdrückt. Einheit entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch Ausrichtung. Und diese Ausrichtung im Leben, die haben wir von Gott. Er gibt uns mit Jesus einen Fixpunkt. Durch Jesus wissen wir, dass Gott uns liebt. Durch Jesus wissen wir, wie Gott der Vater ist: gnädig und barmherzig. Durch Jesus wissen wir, was von Gott trennt und dass es aber Vergebung gibt. Wer für sich in Anspruch nimmt Christ zu sein, und sich auf diesen Gott ausrichtet, der ist Teil dieser Einheit. Dann ist da eine gemeinsame Grundlage, auf der Christen sich begegnen können. Ich weiß, in der Realität tun wir uns oft schwer da- mit. Das liegt aber häufig daran, dass wir mit „Einheit in Christus“ ganz vieles verbinden, was jedoch nichts damit zu hat. Wer in den alten Glaubensbekenntnissen schaut, was Christsein im Kern ausmacht, entdeckt grob gesagt folgendes:

Es geht um einen Schöpfergott. Es gibt einen auferstandenen Christus. Es gibt den Heiligen Geist. Es gibt Vergebung, Auferstehung, ewiges Leben.

Bei aller Unterschiedlichkeit, die es unter den Christen schon sehr früh gab, waren das die Punkte, auf die sich alle einigen konnten. Und was diese Punkte angeht, gibt es nach wie vor eine ganz große Einigkeit unter den Christen. Und das sind auch die Punkte, die unser „eins sein“ ausmachen. Das ist unser Fundament. Über alles andere kann man gerne diskutieren: Abendmahl, Taufe, Charismatik, Schriftverständnis. Das ist auch alles wichtig. Aber darin liegt nicht diese Einheit der Christen, welche das „eins sein“ begründet. Ich würde mir wünschen, dass, wann immer wir mit Christen in Kontakt kommen, die so ganz anders sind, als wir es gewohnt sind, wir uns bewusst machen: Wir sind verbunden, wir haben diese gemeinsame Ausrichtung auf den dreieinigen Gott, wir leben beide aus seiner Vergebung und versuchen beide, Gottes Willen für diese Welt im Großen und im Kleinen zu erkennen.

Pastor Daniel Behrens

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