Noch keine Kommentare

Fasten

Die christliche Tradition zu fasten hat ihren Ursprung bei Jesus, der nach seiner Taufe 40 Tage und Nächte in der Wüste verbrachte und fastete. Auch im Alten Testament wurde gefastet, in lebensgefährlichen Situationen, bei Trauer oder auch vor Gerichtsprozessen.

Fasten bedeutet, vor Gott eine fragende Haltung einzunehmen, sich ganz auf ihn auszurichten und auf ihn zu hören, was er zu sagen hat. Beim Fasten geht es um den Gedanken, dass Gott weiß was gut für den Menschen ist. Früher gab es etliche Fastenzeiten im Laufe des Jahres. Zum Beispiel vor Weihnachten oder Pfingsten. Es gab Regeln, was wann gegessen werden durfte, oder wann Musik und Tanz erlaubt waren. Geblieben ist mittlerweile nur noch die mehr oder weniger bekannte Fastenzeit vor Ostern.

Die 40tägige Zeit von Aschermittwoch bis zum Karsamstag, Sonntage wurden nicht mitgezählt, sollte helfen, sich auf das Leiden und Sterben von Jesus auszurichten. Durch die vielen Regeln ging es bald aber mehr darum, nichts falsch zu machen oder die Fastenregeln zu umgehen. So entstanden die Maultaschen. „Fleisch, das man nicht sieht, zählt nicht“, so dachte man. Auch Bier war erlaubt entsprechend dem Grundsatz: „Flüssiges bricht fasten nicht.“ Und Biber und Enten wurden den Fischen zugeordnet, denn Fisch war im Gegensatz zum Fleisch erlaubt. Auf der anderen Seite dachte man aber auch, dass man durch einen asketischen Lebensstil in der Fasten-zeit besonders in der Gunst Gottes stehen könnte. So ist der eigentliche Gedanke des Fastens, die Ausrichtung auf Gott, mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. So wundert es nicht, dass die Schweizer Reformatoren um Huldrych Zwingli ihre Reformation mit einem provokativen Würsteessen in der Fastenzeit begonnen haben.

Martin Luther empfahl das Fasten, aber nicht als religiöse Pflicht, sondern „als feine äußerliche Zucht“. Luthers Gedanke beim Fasten war, dass man bewusst auf etwas verzichtet, das einem zu wichtig geworden ist und von Gott ablenken könnte.Deshalb kann nach protestantischem Verständnis in der Fastenzeit selbst entschieden werden, auf was verzichtet werden soll. Probehalber etwas anders zu machen – auch wenn es schwerfällt – kann die Entdeckung mit sich bringen, dass es anders besser sein könnte. Eine Weile das zu vermeiden, womit wir sonst viel Zeit verbringen und uns besonders im Wege stehen, kann wieder Kraft für den Alltag freisetzen.

So kann uns das Fasten etwas Wertvolles zeigen: Was wäre wenn? Was wäre, wenn ich von einer Angewohnheit frei werden würde, die mich allzu sehr gefangen nimmt oder ablenkt. Wie das aussieht, kann ganz unterschiedlich sein: weniger Fernsehen, weniger an den Kühlschrank, keine Zigaretten, weniger mit dem Auto fahren. Wir verzichten auf Kalorien, Konsum oder Komfort. Wir brechen mit Gewohnheiten, mit den Routinen des Alltags, machen etwas anders als sonst und bringen damit gewohnte Ordnungen durcheinander. Das wird den Tagesablauf verändern. Der Tag wird anders verlaufen. Vielleicht ist auf einmal Zeit da, wo man sonst nur durch den Tag gehetzt ist. In diesen Oasen der Ruhe können wir die Gelegenheit nutzen und auf uns selbst hören – und auf Gott. So bietet die Fastenzeit die Chance zur Veränderung und Erneuerung. Manchmal ist es ja nur eine Kleinigkeit, die wir anders machen müssen, und wir nehmen unser Leben ganz anders wahr. Wie wäre es? Auf was könnten Sie einmal in dieser Zeit vor Ostern verzichten?

D. Behrens

Kommentarfunktion ist geschlossen.