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Freiheit aus christlicher Perspektive

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass der christliche Glaube eine Religion der Freiheit ist? Manchmal ist das schwer zu glauben, da es immer wieder Christen gibt, die sich dadurch auszeichnen, was sie alles ablehnen und verbieten. Und so denken nicht wenige Zeitgenossen, dass der christliche Glaube eine Weltanschauung voller Auflagen und Verbote ist. Dabei ist Freiheit ein zentraler Gedanke im Christentum.

Um das zu verstehen, muss man weit nach vorne gehen, ins Alte Testament. Die Befreiung und Herausführung aus Ägypten, und damit auch aus der Sklaverei, ist der Meilenstein in der Geschichte Israels. Der Gott Israels ist kein Gott, dem die Menschen egal sind, sondern er ist ein Gott, der um das Wohlergehen der Menschen besorgt ist. Immer wieder wird in den Büchern des Alten Testamentes auf diese Befreiung aus der Sklaverei Bezug genommen. Gott sagt: Weil ihr aus der Unterdrückung befreit wurdet, sollt ihr andere nicht auch unterdrücken. Wer arm, schwach oder hilflos war, dessen Situation sollte von den Starken nicht auch noch ausgenutzt werden. Freiheit war im Alten Testament also ganz praktisch gedacht: Freiheit aus der Sklaverei durch Gott, Freiheit von Armut und Unterdrückung durch eine solidarische Gemeinschaft.

Auch im Neuen Testament findet sich der Freiheitsbegriff. Paulus zum Beispiel spricht im Römerbrief von der „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Rö 8,21), er scheint also von der Freiheit begeistert zu sein. Und den Galatern teilt Paulus mit: „Zur Freiheit hat euch Christus befreit! …lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auferlegen!“ (Gal 5,1). Die Grundlage christlicher Freiheit ist also in Jesus zu finden. Bei Jesus sehen wir, wie er sich mit Zöllnern und Sündern getroffen hat. Das waren Menschen, die in Ausgrenzung gefangen waren und durch Jesus eine befreiende Lebensveränderung erfahren haben. Jesus hat also da Freiheit gelehrt und gelebt, wo durch eine negative Ethik und Religionsausübung Menschen in Ausgrenzung gefangen waren.

Beim christlichen Freiheitsverständnis geht es aber nicht nur um die Ebene des ethisch richtigen Handelns. Christliche Freiheit hat auch eine geistliche Dimension. Für einen Christen hat der Tod nicht mehr das letzte Wort, sondern durch Jesus gibt es das ewige Leben. Das Wissen, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist und etwas noch besseres auf uns wartet, befreit von dem Drang nach Geld, Macht, Ruhm oder sonst etwas zu streben, was den Menschen auch wieder gefangen nehmen kann.

Diese Freiheit ist aber keine Freiheit ohne Verantwortung. Paulus schreibt: „Gott hat euch zur Freiheit berufen, meine Brüder und Schwestern! Aber missbraucht eure Freiheit nicht als Freibrief zur Befriedigung eurer selbstsüchtigen Wünsche, sondern dient einander in Liebe.“ (Gal 5,13). Der Theologe und Autor Hans-Joachim Eckstein hat dazu einmal passend formuliert: “Wenn ich nicht mehr unter dem Gesetz bin, sondern unter der Gnade, dann kann ich endlich tun und lassen … was Christus will.“ Das passt. Christliche Freiheit ist eine Freiheit, bei der der Wille Gottes immer mehr zu meinem Willen wird.

Aber welche Auswirkungen hat diese Freiheit auf unser Leben? Wie gesagt, Gottes Wille wird immer mehr zu meinem Willen. Das bedeutet, dass ich selber frei werde von dem, was uns Menschen seelisch und geistlich gefangen nimmt, aber dass ich auch anderen diesen Weg in die Freiheit zeigen möchte. Und neben der seelisch-geistlichen Freiheit gibt es dann ja auch noch die ethisch-praktische Freiheit, wie sie uns besonders im Alten Testament begegnet. Wo auch immer wir uns mit Schwachen solidarisch zeigen und ihnen helfen, geben wir diesen Menschen ein Stück Freiheit zurück.

Ein letzter Gedanke noch: Christliche Freiheit in ihrer höchsten Form zeigt sich gerade darin auf Freiheit zu verzichten. Das klingt vielleicht widersprüchlich, aber genau das zeichnet christliche Freiheit aus: aus Liebe zu verzichten, nicht das einzufordern, was einem eigentlich zusteht. So hat es Jesus auch gemacht. Der Philipperbrief beschreibt im 2. Kapitel, wie Jesus darauf verzichtete im Himmel zu bleiben, um zu uns Menschen zu kommen, um uns aus Sünde zu befreien. Jesus hat also selbst auf seine Freiheit verzichtet und sich an die menschliche Daseinsform gebunden.

Vielleicht fällt es mir deshalb in diesen Zeiten nicht so schwer, auf manche Freiheiten zu verzichten. Wenn ich durch mein Handeln andere Menschen schützen kann, dann tue ich das doch gerne, in der Hoffnung bald wieder alle Freiheiten in unserem Land genießen zu können.

Daniel Behrens

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