Liebe Geschwister,

Mein Sohn ist mal wieder zu einem Geburtstag eingeladen. Zusammen mit meiner Frau packt er den Legobausatz ein, den er seinem Freund schenken möchte. Als sie das Geschenkpapier um den Karton wickeln, merken sie aber, dass der Bogen Geschenkpapier zu klein ist. An einer Seite bleibt ein kleiner Bereich, wo man den Inhalt sofort erkennen kann. „Das ist gut“, sagt mein Sohn, „dann sieht man schon, was das Geschenk ist.“ Ob er keine Lust hat, das Geschenk nochmal einzupacken? Meine Frau erwidert ihm: „Aber eigentlich ist das doch ganz schön, wenn ein Geschenk vollständig eingepackt ist.“ Mein Sohn lässt sich darauf ein, und so wird ein kleiner Streifen Geschenkpapier über das Loch geklebt. Doch dann sagt er: „Ich möchte aber noch ein Fenster reinschneiden. Wenn mein Freund möchte, kann er schon vor dem Auspacken sehen, was in dem Geschenk drin ist.“ So entstand das Geschenk mit Fenster.Gott macht uns auch solche Geschenke mit Fenster. Ich denke da an seine Verheißungen, was uns einmal bei ihm erwarten wird. Noch haben wir es nicht, aber Gott hat es uns schon zugesprochen. Durch sein Wort öffnet er uns kleine Fenster, die uns einen Blick auf seine Ewigkeit erlauben.Besonders tröstlich finde ich die Worte Jesu aus Johannes 14,2: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen… ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.“ Das ist wie ein großes Fenster, durch das wir schon heute etwas von Gottes Zukunft sehen dürfen. Da wartet eine Wohnung, ein Platz, eine Heimat – persönlich für uns bereitet.Auch im Buch der Offenbarung finden wir ein solches Fenster: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offenbarung 21,4). Das ist kein vages Versprechen, sondern eine feste Zusage. Gott selbst lässt uns durch dieses Fenster schauen, damit wir Hoffnung haben, wenn das Leben schwer wird.Natürlich bleibt vieles noch verhüllt. Wir sehen nur Bruchstücke, kleine Einblicke, wie durch ein Fenster in ein Haus, dessen ganze Schönheit uns erst später offenbart wird. Aber diese Fenster genügen, um uns zu ermutigen. Sie sagen uns: Da wartet mehr. Da ist eine Zukunft, die uns keiner nehmen kann.Manchmal schenkt Gott uns solche Fenster auch mitten im Alltag: ein Moment des Friedens, ein Gebet, das uns stärkt, eine Begegnung, die uns trägt. Kleine Vorgeschmäcker seiner Nähe. Wie ein Sonnenstrahl durch ein geöffnetes Fenster – sie lassen uns erahnen, wie hell es einmal ganz sein wird.Vielleicht stehst du gerade an einer Stelle im Leben, wo vieles unklar ist, wo Dunkelheit oder Fragen überwiegen. Dann halte dich an den Fenstern fest, die Gott dir gibt. Schau hindurch und vertraue seinen Zusagen. Das endgültige Geschenk – das Leben in seiner Nähe – dürfen wir erst später auspacken. Aber schon heute dürfen wir wissen: Es ist für uns bereit.Darum: Lass dir diese Fenster nicht verdecken. Sieh hindurch und freue dich auf das, was kommt. Denn Gott hält, was er verspricht. Sein Geschenk für dich ist schon da – und es wird schöner sein, als du es dir vorstellen kannst.

D. Behrens