Käsespätzle und Abendmahl

Liebe Geschwister,

gibt es bei dir auch bestimmte Gerichte, die bei dir Erinnerungen wecken? Meine Oma kam aus Österreich und so kamen für Norddeutschland untypische Speisen und Gerichte in unsere Familie. Tafelspitz mit Bratkartoffeln, Spinat und Meerrettichsoße oder Käsespätzle wecken in mir Erinnerungen an zu Hause und wecken in mir wohlige Gefühle. In der Familie meiner Frau ist das nicht anders. Ihre Oma kam aus Bessarabien. Das ist ein Gebiet in Südosteuropa, heute liegen dort die Staaten Moldau und die Ukraine. Im 19. Jahrhundert kamen deutsche Siedler dorthin, unter anderem aus dem Gebiet von Baden-Württemberg. So sind Speisen in die Familie gekommen, die eine Mischung aus schwäbischer und osteuropäischer Küche sind und in der Familie Erinnerungen an ihre Oma wecken. Ich musste diese Tage daran denken, als ich über Jesus Begegnungen mit Menschen nach seiner Auferstehung nachdachte. Im Lukasevangelium ist eine Geschichte überliefert, in der Jesus zwei Männern begegnet, die sich auf ihrer Wanderung über die Ereignisse der letzten Tage unterhalten. Jesus wandert mit ihnen zum Dorf Emmaus. Was verwunderlich ist: Jesus redet mit ihnen über die Ereignisse vom Karfreitag, über das leere Grab und dass alles, was passiert ist auch so vorhergesagt war. Obwohl sie eine Weile zusammen unterwegs sind, erkennen sie Jesus aber nicht. Als Jesus dann alleine weiterziehen wollte, bitten die beiden ihn doch zu bleiben. Und dann passierte es:  

Später ließ er sich mit ihnen zum Essen nieder. Er nahm das Brot, dankte Gott, brach das Brot in Stücke und gab es ihnen. Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen, und sie erkannten ihn. Lukasevangelium 24,30f

Das ist schon merkwürdig, dass die beiden Jesus erst in dem Moment erkennen, als sie zusammen essen wollten. Hatte Jesus eine besondere Art, das Brot zu brechen? Entdeckten sie erst in dem Moment die Wundmale in den Händen? Oder war da etwas Wunderbares mit im Spiel? Auf jeden Fall erkennen sie Jesus in diesem Moment. Alle Erinnerungen und Emotionen sind wieder da. Wie bei uns, wenn wir ein Gericht essen, das unsere Mütter oder Großmütter schon gekocht haben und das wir seit Kindertagen lieben. Ich finde das interessant, dass gemeinsame Mahlzeiten bei Jesus immer wieder eine große Rolle spielten. Er war bei Außenseitern zu Gast und er machte große Menschenmengen satt. Da passt es, dass Jesus uns als ein wesentliches Element des christlichen Glaubens ein Ritual hinterlassen hat, das mit Essen zu tun hat, das Abendmahl. Ein sinnlicher Moment, der Gedanken und Emotionen weckt. Auch wenn es nur ein kleines Stück Brot und ein kleiner Schluck Saft sind, muss ich doch an Gottes Fürsorge denken und dass er mich mit dem Lebensnotwendigen versorgt und das ich nicht alleine bin. Ich muss an die Gemeinschaft denken, die ich mit Gott und meinen Mitmenschen haben kann. Ich wünsche dir, dass wenn du das nächste Mal das Abendmahl feierst, dass dann auch Gedanken und Emotionen geweckt werden, dass du die Fürsorge und die Gemeinschaft spürst, die Gott du in Gott finden kannst.      

D. Behrens

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner