Können Erwachsene lernen?

Liebe Geschwister,

vor einigen Tagen kam mein Sohn Moritz zu mir ins Büro. Als er vor mir stand, wusste ich sofort, dass ihn eine Frage bewegte. Es dauerte auch nicht lange, bis er damit rausrückte, was ihn bewegte: „Papa, können Erwachsene auch was von Kindern lernen?“ Ich musste nicht lange überlegen. Kinder haben eine Sicht auf die Welt und das Leben, die uns Erwachsenen mitunter abhandengekommen ist. Wir sprechen vom kindlichen Vertrauen. Für Jesus sind Kinder Vorbilder. „Werdet wie die Kinder“, sagt er. Die Antwort war für mich klar, Erwachsene können viel von Kindern lernen. Ich antwortete: „Natürlich können Erwachsene was von Kindern lernen.“ Ich erwartete jetzt ein längeres Gespräch darüber, was genau Erwachsene von Kindern lernen können, aber dazu kam es nicht. Moritz war mit der Antwort zufrieden und ging wieder in sein Zimmer, um zu spielen. Ein paar Tage später stand er wieder in meinem Büro. Ich fragte mich, was sein Anliegen war. „Papa, ich weiß jetzt, was Erwachsene von Kindern lernen können.“ Jetzt war ich gespannt. Ich hatte seine Frage, was Erwachsen von Kindern lernen können, schon ganz vergessen. Ihn hatte die Frage aber immer noch bewegt und nun hatte er eine Antwort gefunden. Also fragte ich nach: „Was können Erwachsene denn von Kindern lernen?“ Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, das mir zeigte, dass er Stolz auf seinen Gedanken war. „Kindern fragen viel ‚Warum?‘. Erwachsene können von Kindern lernen ‚Warum?‘ zu fragen.“ Jetzt musste ich auch lächeln. „Das stimmt“, sagte ich. Hinter dem einfachen Wort „Warum“ steckt ja eine sehr positive Eigenschaft: Neugierde. Neugier ist das Verlangen, Neues zu lernen und Wissen zu erlangen. Leider werden Kindern mitunter Sätze gesagt, wie: „Sei nicht so neugierig“, oder „Frag nicht immer so viel.“  Dadurch wird diese positive Eigenschaft bei Kindern gebremst, und schlimmstenfalls trauen sie sich irgendwann nicht mehr nachzufragen. In der Bibel wird das Verhältnis von Gott und Mensch auch oft als das eines Vaters zu seinen Kindern beschrieben. Gott als unser Vater sagt zu uns aber nicht Sätze wie: „Sei nicht so Neugierig“, oder „Frag nicht immer so viel.“  Ganz im Gegenteil. Im Petrusbrief steht:        

„Verlangt wie neugeborene Kinder nach der unverfälschten,

geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst.“  (1Pet 2,2)

Petrus beschreibt hier ein neugeborenes Kind, dass nach Milch schreit. Sein Gedanke ist einfach: Mit diesem Bild ermutigt er uns dazu, ein Verlangen nach Gott zu haben, neugierig auf Gott zu sein und sich zu wünschen, ihn besser kennenzulernen. Anders gesagt: Seid Fragende. Seid Menschen, die fragen, wie Gott ist.  Ich hoffe, dass du das erlebst, dass du Gott besser kennenlernst, auch wenn du vielleicht schon seit Jahrzehnten im Glauben unterwegs bist. Ich habe solche Momente oft in meinem Büro, wenn ich zum Beispiel eine Predigt vorbereite und sich mir ein Bibeltext ganz neu erschließt. Bei dir wird das bestimmt ganz anders aussehen. Vielleicht beim Bibellesen, oder wenn du Lieder hörst und singst oder in der Natur. Gott begegnet uns auf so unterschiedliche Art und Weise, wie auch wir Menschen unterschiedlich sind. Der Schlüssel ist aber immer eine kindliche Neugier. So wie ein Kind nach dem „Warum“ fragt und das Neugeborene verlangen nach Milch wünsche ich dir, dass du niemals aufhörst zu fragen und nach Gott zu verlangen. Zu fragen, wo Gott ist und wie Gott ist, und manchmal auch nach dem „Warum“.  Sei fragend und neugierig, denn bei Gott gibt es immer was Neues zu entdecken.

D. Behrens

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