Notfallseelsorge

Seit Herbst letzten Jahres bin ich in der Notfallseelsorge tätig. Natürlich stehe ich als Pastor der Gemeinde zu jeder Tages- und Nachtzeit als Seelsorger in besonderen Lebenssituationen für Mitglieder und Freunde der Gemeinde zur Verfügung.

Aber was ist dann die Notfallseelsorge? Die Notfallseelsorge ist eine überkonfessionelle Vereinigung von evangelischen, katholischen und freikirchlichen Seelsorgern. Aufgabe der Notfallseelsorge ist es Opfer, Angehörige, Beteiligte und Helfer von Notfällen zum Beispiel Unfällen oder sogenannten Großschadenslagen in der akuten Krisensituation zu beraten und zu stützen. Aber auch Hilfe nach häuslichen traumatischen Ereignissen, wie nach erfolgloser Reanimation, plötzlichem Kindstod und Suizid sowie Begleitung der Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten gehört zum Einsatzspektrum der Notfallseelsorge.

Um Notfallseelsorger zu werden, muss man zuerst einen Lehrgang besuchen. Das habe ich im September 2020 getan. In diesem Lehrgang wurde vermittelt, wie zum Beispiel das menschliche Gehirn in Krisensituationen reagiert, welche Reaktionen zu erwarten sind und wie man damit umgehen kann. Uns wurde vermittelt, wie Menschen in solchen Situationen am besten begleitet werden können und welche Hilfestellungen man anbieten kann. Das Gelernte wurde dann auch in mehreren Rollenspielen vertieft, um uns als angehende Notfallseelsorger auf den Ernstfall vorzubereiten.

Im Oktober 2020 bin ich dann zum Team der Notfallseelsorger:Innen im Landkreis Northeim dazugestoßen. Das Team besteht aus 15 Personen, hauptsächlich Pastor:Innen , aber auch andere Berufe sind vertreten. 12 Personen kommen aus der evangelisch- lutherischen Landeskirche, zwei von der Baptistengemeinde in Northeim, und nun auch ich aus der FeG.

Organisiert ist die Notfallseelsorge im Landkreis so, dass jeder aus dem Team sich für zweitägige Bereitschaftsdienste in einen Plan einträgt. Vom Landkreis hat jeder einen Melder bekommen, über den man dann von der Einsatzleitstelle kontaktiert werden kann. Bekommt man eine Meldung, was sich in einem lautstarken Piepen bemerkbar macht, sieht man auf seinem Melder wo man sich melden muss.

In der Regel ist das die Einsatzleitstelle, die einen dann mit den notwendigen Informationen versorgt. Das beinhaltet, was passiert ist, wo es passiert ist, wie viele Personen sind beteiligt, usw. So erhält man schon einen ersten Eindruck von dem, was einen erwartet. Nun heißt es „Ruhe bewahren“, denn man begleitet dann einen Menschen in einem der schwersten Momente seines Lebens, da die Einsätze meistens mit dem tragischen Tod eines nahestehenden Menschen zu tun haben. Auch wenn die Notfallseelsorger:Innen nur bis zu einigen Stunden anwesend sind und ein Großteil darin besteht, einfach nur zuzuhören , wird dieser Dienst von Betroffenen als sehr hilfreich empfunden. Sie sind nicht allein und wissen, dass jemand ein offenes Ohr für sie hat.

Daniel Behrens