Rufe mich an in der Not

Liebe Geschwister,

die letzten drei Wochen haben die Kinder und ich Urlaub zu Hause gemacht. Leider war Moritz in dieser Zeit einige Tage krank, er hatte die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Diese Krankheit führt zu juckenden und schmerzhaften Ausschlägen an den Händen, den Füßen und im Mund. Der Hautausschlag war im Mund so schmerzhaft, dass Moritz fast nichts essen und trinken konnte. Nachdem wir einiges versucht hatten, fanden wir heraus, dass er Wackelpudding ganz gut essen konnte. Es gibt bestimmt auch Schlimmeres im Leben, als sich eine Zeit lang nur von Wackelpudding zu ernähren. Eines Morgens musste ich aber feststellen, dass unsere Wackelpuddingvorräte aufgebraucht waren. Ich ging zu meinen Kindern und sagte ihnen, dass ich kurz zum kleinen Laden in unserem Dorf fahre, um Wackelpudding zu kaufen, und dass ich in einer viertel Stunde wieder zu Hause bin. Sicherheitshalber habe ich noch meine Handynummer auf einen Zettel geschrieben, damit meine Tochter mich anrufen kann, sollte etwas passieren oder irgendein Notfall eintreten. Also stieg ich schnell ins Auto und fuhr los. Im Laden packte ich schnell einige Becher fertigen Wackelpudding in den Einkaufswagen und schaute noch nach Puddingpulver, um auch in den kommenden Tagen gut versorgt zu sein. Da klingelte plötzlich mein Handy, während ich noch vor dem Regal stand und überlegte, ob ich Waldmeister, Kirsche oder Zitrone kaufe. Ich bekam einen Schreck. „Was ist passiert?“ und „Kann ich meine Kinder nicht mal zehn Minuten alleine lassen?“, waren meine Gedanken, die mir sofort in den Kopf schossen. Als ich den Anruf entgegen nahm hörte ich die Stimme meiner Tochter. Sie hatte aber nicht angerufen, weil das Haus in Flammen stand, irgendetwas zu Bruch gegangen ist oder eine sonstige Notsituation vorlag. „Papa kannst du noch die runden Kekse mit dem Loch in der Mitte mitbringen?“ Wieder gingen mir Gedanken durch den Kopf: „Das ist doch kein Notfall. Jetzt habe ich einen Schreck bekommen, nur weil meine Tochter Kekse möchte.“ Aber dann dachte ich mir: „Warum nicht, man darf seinen Papa nicht nur in der Not anrufen, sondern auch wenn man Kekse möchte und es gibt Tage, da braucht man einfach ein paar Kekse.“ Also kaufte ich Wackelpudding und Kekse, die runden mit dem Loch in der Mitte.

In der Bibel gibt es den Vers „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten.“ Psalm 50,15 wird deshalb auch die Telefonnummer Gottes genannt. Das stimmt, du darfst deinen himmlischen Papa in der Not anrufen, zu ihm beten und er wird dir in irgendeiner Form zur Seite stehen. Ich erlebe mitunter, dass sich Menschen damit schwertun und nicht so unbedarft ins Gebet gehen, so wie meine Tochter mich für ein paar Kekse angerufen hat.  Woran liegt das?  Weil man sich damit eingesteht, dass man Hilfe braucht? Weil wir nicht andauernd mit irgendwelchen Anliegen und Bitten zu Gott kommen wollen? Ich glaube, wir brauchen nicht bescheiden sein, wenn es darum geht, Gott um etwas zu bitten. Er selbst fordert dich ja dazu auf, ihn zu bitten. „Rufe mich an in der Not“, sagt er. Was eine Notsituation ist, das lässt Gott offen. Ich glaube, dass kann alles sein, von lebensbedrohlichen Umständen bis hin zu kleinen Alltagssorgen. Gott meint es gut mit dir und wird dir zur Seite stehen, wenn du ihm um Hilfe bittest. Und er ist nicht nur der Helfer in der Not, sondern auch der, der darüber hinaus für dein Leben die schönen Dinge bereit hält, so wie ich meiner Tochter die Kekse mitgebracht habe.

D. Behrens

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