Liebe Geschwister,

Jede Bürgerin und jeder Bürger kann mithelfen, den Schuldenberg des Bundes abzubauen. Dafür gibt es ein besonderes Konto, auf das Menschen freiwillig Geld überweisen können. Die höchste Summe waren 300.000€, andere spenden immerhin einen Cent. 2018 war das beste Jahr, da wurden 600.00€ gespendet. Doch im Vergleich zu etwa 1,7 Billionen Euro Schulden, die der Bund aktuell hat, bleibt das Ergebnis ernüchternd. Selbst wenn jedes Jahr über 600.000 € gespendet würden, bräuchte es fast 3 Millionen Jahre, bis die Schulden abbezahlt wären.

Ein Tropfen auf den heißen Stein – absolut aussichtslos. Dieses Bild zeigt uns: Es gibt Schuldenlasten, die so gewaltig sind, dass wir sie niemals selbst abbauen können. Und genau so steht es um unsere Schuld vor Gott. Unsere Lebensschuld ist nicht zuerst moralisches Fehlverhalten. Nicht zuerst unser Egoismus, unsere Lieblosigkeit oder Ungerechtigkeit. Schuld vor Gott beginnt viel grundlegender: Der Mensch lehnt Gott ab und will ohne ihn leben. Er möchte selbst bestimmen, was wichtig ist, wem er vertraut und wie er sein Leben gestaltet.

Die Bibel beschreibt diese tiefe Trennung so: „Alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie bei Gott haben sollten.“ (Römer 3,23) Schuld ist also nicht nur: „Ich habe etwas falsch getan.“ Schuld ist: „Ich will mein Leben selbst regeln – ohne Gott.“ Dieses „Ich schaffe das allein“ klingt zunächst stark, modern, frei. Doch es führt nicht zu Selbstbestimmung, sondern zu Trennung – weg von Gott, der Liebe, dem Ursprung des Lebens. Deshalb entstehen daraus moralische Verfehlungen. Sie sind nicht die Ursache, sondern die Folge der Gottferne.

Wie wollen wir diese Lebensschuld aus eigener Kraft abtragen? Mit guten Taten? Mit guten Vorsätzen? Mit ein bisschen Liebe und Gerechtigkeit? So sinnvoll diese Dinge sind – sie wirken auf unsere Abtrennung von Gott wie Einzahlungen von 1 Cent auf eine Schuld von 1,7 Billionen Euro. Gut gemeint, aber hoffnungslos.

Der Staat erwartet nicht, dass Bürger ernsthaft die Schulden der Nation abtragen. Er weiß: Das wäre unmöglich. Ebenso fordert Gott nicht, dass wir unsere Lebensschuld bezahlen oder uns aus eigener Kraft erlösen. Er verlangt nicht mehr Anstrengung, mehr Moral, mehr Frömmigkeit. Gott weiß: Kein Mensch kann die Trennung zu ihm selbst aufheben. Und deshalb tut Gott das Großartigste, was uns passieren kann: Er bezahlt die Schuld – nicht symbolisch, sondern vollständig. „Der Menschensohn ist gekommen … um sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“ (Markus 10,45)

Jesus nimmt am Kreuz die ganze Trennung auf sich. Und mit der Versöhnung, die er schenkt, beginnt ein neuer Anfang, der nicht auf menschlicher Leistung basiert, sondern auf Gottes Liebe. Wenn Jesus am Kreuz sagt: „Es ist vollbracht“, bedeutet das nicht nur: Deine Fehler sind vergeben. Es bedeutet: Du musst dein Leben nicht mehr ohne Gott führen. Die Beziehung ist wieder offen. Gott geht auf uns zu. Er ruft uns nicht in eine religiöse Selbstrettung, sondern in eine versöhnte, befreite Gemeinschaft mit ihm. Darum ist das Evangelium kein moralischer Reparaturplan, sondern ein himmlischer Insolvenzplan – und er führt nicht in die Armut, sondern in ein neues Leben.

Gott erklärt uns nicht zahlungsunfähig und schiebt uns beiseite – er macht uns frei, geliebt, neu. Wie leben wir aus dieser Hoffnung? Nicht mehr aus Angst, sondern im Vertrauen. Nicht mehr gegen Gott, sondern mit ihm. Nicht mehr als Schuldner, sondern als Geliebte. Wir antworten darauf nicht mit Zwang, sondern mit dankbarer Freude: indem wir uns von Gott tragen lassen, indem wir seine Liebe weitergeben, indem wir Gott wieder Raum in unserem Leben geben. Unsere Lebensschuld ist nicht nur kleiner geworden. Sie ist verschwunden. Und damit beginnt wahre Freiheit, voller Hoffnung, voller Leben – heute.

D. Behrens