Stadtgebet

Einmal im Monat treffen sich Christen aus verschiedenen Gemeinden im Diakonissenmutterhaus zum Stadtgebet. Sie beten für unsere Stadt und deren Verantwortliche und für weitere Anliegen, die den Betern wichtig sind. Das Stadtgebet für den Monat April fand als Gebetsweg statt. Im April 1945 neigte sich der 2te Weltkrieg dem Ende zu. Es gab viele Konzentrationslager in Deutschland. Als die „Befreier“ heranrückten, wurden viele Gefangene umquartiert, die sogenannten „Todesmärsche“ begannen. Im Kloster Brunshausen gab es ein Außenlager des KZ Buchenwald. Am 4. April 1945 mussten von hier aus 600 Gefangene abmarschieren. An der ehemaligenKlosterkirche Brunshausen befindet sich zur Erinnerung daran eine Gedenktafel mit dem Appell: „Vergesst uns nicht!“ Dort war die erste Gebetsstation an diesem Tag.

Es gab eine kurze Einleitung über das damalige Geschehen und anschließend eine Gebetszeit.40 nicht gehfähige Häftlinge wurden im Cluser Wald erschossen und dort verscharrt. Zur Erinnerung wurde an dieser Stelle ein Kreuz aufgestellt. Hier war die zweite Gebetstation, vorher einige Worte über die Geschehnisse verbunden mit der Frage, wie wir mit der Schuld unseres Volkes umgehen. Der Weg zu dieser Gedenkstelle wurde übrigens nach Robert Antelme benannt. Robert Antelme gehörte zu den etwa 100 Häftlingen, die den Transport nach Dachau überlebten.

Nach Kriegsende wurden die Ermordeten auf den Salzbergfriedhof umgebettet, wo ein Ehrenmal an das unmenschliche Geschehen erinnert mit der Mahnung: „Wer die Vergangen-heit vergisst, ist verdammt, sie zu wiederholen“.

Dort war die dritte Gebetsstation. Die vierte und letzte Station war auf dem jüdischen Friedhof auf der Georgshöhe. Nach einigen Erläuterungen über die damals in Bad Gandersheim lebenden Juden wurde für Israel gebetet.

Es war mir wichtig, an diesem Gebetstag teilzunehmen, denn wir dürfen nicht vergessen, was damals geschah. Wir gehören zu diesem Volk, das diese schrecklichen Dinge getan hat, aber wir dürfen zu Jesus gehen, der gerne vergibt und unser Volk wieder angenommen und gesegnet hat.

Es sollte weiterhin Tage der Erinnerung geben, damit auch die zukünftigen Generationen nicht vergessen und aus dem Geschehenen lernen können.

Schalom

Käte Schiller

 

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