Thermomix und Gasgrill

vor einigen Jahren musste ich mich intensiv mit dem Thermomix auseinandersetzen. Falls du den Thermomix nicht kennst: Der Thermomix ist eine Küchenmaschine, die (fast) alles kann. Also genau genommen Rühren, Mischen, Kneten, Zerkleinern, Wiegen, Erwärmen, Kochen und Dünsten. Dafür muss man allerdings gute 1000€ hinlegen. Jetzt war es so, dass ein Mann aus meiner damaligen Gemeinde sich ein solches Gerät angeschafft hatte. Wir hatten uns gut verstanden und immer wieder über alle möglichen Themen unterhalten. So kam es auch immer wieder dazu, dass er mir von den Vorteilen eines Thermomix erzählte. Irgendwann war ich dann zu seinem Geburtstag eingeladen. Es gab ein kleines Buffett. Rate mal, womit der Teig für die Brötchen zubereitet wurde? Thermomix. Verschiedene Soßen und Dips? Thermomix. Selbstgemachter Eierlikör? Thermomix. Er war so von dem Gerät überzeugt, dass er selbst irgendwann nebenberuflich sogenannter „Repräsentant“ für Thermomix-Geräte wurde, also die Geräte verkaufen wollte. Irgendwann wurde ich dann auch gefragt, ob so ein Gerät für mich interessant wäre. Ich lehnte mit den Worten ab: „Ich brauche keinen Thermomix, ich kann kochen.“

Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich es bewundere, wenn Menschen von etwas so begeistert sind, dass sie viel davon erzählen. Das ist eigentlich etwas ganz Normales. Wer Autos liebt, erzählt gerne vom neuen Fahrzeug. Reisende berichten von ihren letzten Urlaubszielen und zeigen auf ihrem Handy Fotos (was mir viel lieber ist als Diaabende, die ich noch in den 90er miterleben durfte oder musste). Und Eltern können ununterbrochen von ihren Kindern erzählen. Ich bin da auch nicht anders. Als wir uns vor zwei Jahren einen Gasgrill kauften, erzählte ich auch gerne, wie toll das ist, dass man sofort anfangen kann zu grillen und dass man keinen Unterschied zur Holzkohle schmeckt (Ich habe es mit einer Blindverkostung von Nackensteaks getestet). Wir erzählen gerne von dem, was uns begeistert. Jesus hat es einmal so formuliert:

„Denn wovon das Herz voll ist, davon redet auch sein Mund.“ (Lk 6,45)

Aber wie ist es mit dem Glauben? Fällt es da auch leicht, drüber zu reden? Ich erlebe es immer wieder, dass das Herz von Menschen voll der Liebe Gottes ist, aber der Mund still bleibt. Ich bilde da keine Ausnahme. Woran liegt das? Wenn ich von dem Rede, was mein Herz erfüllt, beim Thema Glaube aber auffallend still bleibe, könnte es dann sein, dass mein „Herz nicht voll ist“? Könnte es sein, dass mein Herz zu mindestens nicht so voll ist, wie ich das manchmal denke? Mein erster Impuls ist: „Nein, das kann nicht sein. Immerhin bin ich Pastor. Ich habe mein Leben in den Dienst Gottes gestellt.“ Dann denke ich weiter nach. Ich merke, da ist noch vieles andere in meinem Herzen. Gedanken über den Alltag: Bleibt es trocken, sodass ich heute noch Rasenmähen kann? Wer holt die Kinder vom Kindergarten und der Schule ab? Ostern ist schon vorbei und ich habe noch die Winterreifen drauf. Dazu kommen noch die eine oder andere Sorge und immer auch mal etwas Ärger. Manchmal denke ich mir dann, dass da in meinem Herzen doch gar nicht mehr viel Platz ist.

Dann wir mir aber bewusst, dass es gar nicht um ein Entweder-Oder geht. Es geht nicht um ein entweder Gott oder der Alltag. Entweder Gott oder die Sorgen. Entweder Gott oder der Ärger. Es geht darum, dass Gott in all diesen Bereichen präsent sein darf. Gott ist auch in meinem Alltag und schenkt mir Gelassenheit im Alltagsstress. Gott ist in meinen Sorgen und entschärft sie. Sie sind oft noch da, aber ich sehe zuversichtlicher nach vorne. Und Gott ist auch in meinem Ärger und hilft mir, meine Mitmenschen mit Gottes vergebender Liebe zu sehen. Und von alle dem möchte ich auch reden, von der Gelassenheit, der Zuversicht und der vergebenden Liebe, die bei Gott zu finden ist.

D. Behrens

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