Überfall im Himmel: Gott Opfer von Räuber geworden

Liebe Geschwister,

ich sitze mit meinem Sohn Moritz am Frühstückstisch. Verschlafen isst er sein Müsli. Mit halb vollem Mund setzt er auf einmal zu sprechen an: „Papa, wenn ein Räuber in den Himmel kommt…“ Ich höre gespannt hin. Ich liebe es, wenn meine Kinder mir Fragen stellen und besonders dann, wenn es keine leicht zu beantwortenden Fragen sind. In meinen Gedanken habe ich die Antwort schon parat. Ich überlege mir, wie ich es Moritz erkläre, dass auch ein Räuber zu Gott kommen kann. Ich überlege mir, wen ich als Beispiel nehme, um Moritz zu erklären, dass der Himmel allen Menschen offensteht.

Zachäus der Zöllner, der andere betrogen hat? Vielleicht David, der über Leichen ging und Ehebruch begangen hatte? Ich denke mir, dass vielleicht Davids Sünden doch erst in ein paar Jahren dran sind. Oder Paulus, der gemein zu anderen Christen war, bevor er selbst einer wurde? Aber während ich schon am Denken bin, redet Moritz weiter: „Wenn ein Räuber in den Himmel kommt und Gott überfällt, hat Gott ihn dann immer noch lieb?“ 

Aha, das ist also seine Frage. Es geht gar nicht darum, wer in den Himmel oder zu Gott kommen kann. Es geht um die Liebe Gottes, und wann die Liebe Gottes an ihre Grenzen gelangt. In meinen Gedanken stelle ich mir die Szene vor. Ein Räuber, schwarz maskiert steht vor Gott und sagt: „Geld oder Leben.“ Ich stelle mir die Schlagzeile in der Zeitung vor: „Überfall im Himmel: Gott Opfer von Räuber geworden“ Aber wie es dann weitergeht, kann ich mir nicht vorstellen, dafür reicht meine Fantasie nicht. Das ein Räuber in den Himmel kommt, das kann ich mir vorstellen, aber nicht, dass es im Himmel Kriminalität gibt. Dafür reicht meine Vorstellungskraft nicht aus.

Moritz schaut mich an und wartet auf eine Antwort. Ich versuche zu erklären: „Ich glaube, dass wenn ein Räuber in den Himmel kommt, dass der dann gar nichts Böses mehr machen möchte. Bei Gott ist das so toll, dass ein Räuber gar nichts mehr klauen möchte.“ Die Antwort scheint zu reichen, vorerst. Moritz isst weiter sein Müsli. Einige Zeit später denke ich noch mal an Moritz Frage. Ich lächle über die Fantasie meines Sohnes. Aber dann kommt mir in den Sinn, dass das ja gar nicht so weit hergeholt ist. Zwar wurde Gott nicht im Himmel überfallen, aber Gott kam in diese Welt und wurde ein Opfer. Kein Opfer eines einzelnen Räubers, sondern ein Opfer von Verrat, Machtinteressen, Egoismus, Lieblosigkeit und noch vielem mehr.

Gott wurde ein Opfer von alle dem, was wir Menschen einander antun. Aber das Schöne ist: Gott liebt uns Menschen trotzdem. Am Kreuz hat uns Gott gezeigt, dass ganz gleich, was wir Menschen ihm antun, er uns trotzdem liebt. Korrekt hätte die Frage also lauten müssen: „Wenn Gott zu den Räubern kommt und die dann Gott überfallen, hat Gott die dann immer noch lieb?“ Aber wie rum man die Frage auch stellt, ist gar nicht so wichtig, denn die Antwort lautet immer: „Ja hat er.“

D. Behrens

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