Liebe Geschwister,

„Vom Harz bis ans Meer“ – dieser Slogan eines niedersächsischen Radiosenders beschreibt eigentlich ein Sendegebiet. Für mich bekommt er in diesem Jahr eine sehr persönliche Bedeutung. Seit fast acht, beziehungsweise vier Jahren darf ich Pastor hier in unseren Gemeinden in Bad Gandersheim und Osterode nahe des Harzes sein. In diesem Sommer werde ich meinen Dienst in der FeG Aurich beginnen – dort, wo der Wind weht, das Meer nicht mehr fern ist und der Horizont weiter scheint. Zwei sehr unterschiedliche Landschaften, zwei Regionen, verschiedene Gemeinden. Und doch ein Weg. Mein Weg. Vor allem aber: ein Weg mit Gott.

Der Jahresanfang lädt uns ein, innezuhalten und nach vorne zu schauen. Was liegt vor uns? Welche Wege werden wir gehen? Welche Veränderungen stehen an – gewollt oder ungeplant? In der Bibel begegnen uns immer wieder Menschen, die von Gott gerufen werden, aufzubrechen. Abraham verlässt seine Heimat, ohne das Ziel zu kennen. Mose wird aus der Wüste zurück nach Ägypten geschickt. Die Jünger lassen ihre Netze liegen und folgen Jesus nach. Nachfolge beginnt oft genau an diesem Punkt: beim Hören auf Gottes Ruf und beim Vertrauen, dass er weiß, wohin der Weg führt. Nachfolge ist nicht immer bequem. Sie bedeutet, Sicherheiten loszulassen, Gewohntes hinter sich zu lassen und sich auf Neues einzulassen. Auch das gehört zu meinem persönlichen Weg in diesem Jahr. Und vielleicht entdecken manche von euch ähnliche Fragen in ihrem eigenen Leben: Soll ich bleiben oder gehen? Einen Schritt wagen oder abwarten? Etwas Neues beginnen oder treu im Alten ausharren? Gottes Ruf ist dabei nicht immer laut oder spektakulär. Mitunter ist er leise, beharrlich und tief im Herzen spürbar.

Was mir in diesen Wochen besonders wichtig geworden ist: Gott ruft nie, ohne mitzugehen. Jesus sagt seinen Jüngern nicht nur: „Folgt mir nach“, sondern verspricht ihnen zugleich: „Ich bin bei euch alle Tage.“ Nachfolge ist kein einsamer Weg. Sie ist ein gemeinsamer Weg mit einem Gott, der vorausgeht, der neben uns bleibt und der uns trägt, wenn der Boden unter den Füßen unsicher wird.

Vom Harz bis ans Meer – das klingt nach Entfernung. In Wirklichkeit ist es ein Bild für Gottes Treue. Der gleiche Gott, der mich hier begleitet hat, wird auch dort sein. Der gleiche Gott, der diese Gemeinden durch Höhen und Tiefen geführt hat, wird auch in Zukunft mitten unter euch wohnen. Und der gleiche Gott, der uns ruft, bleibt derselbe – unabhängig von Ort, Aufgabe oder Lebensphase.

Der erste Rundbrief im neuen Jahr ist eine gute Gelegenheit, uns gegenseitig daran zu erinnern: Wir sind unterwegs. Als Einzelne und als Gemeinden. Nicht stehen geblieben, sondern gerufen, Jesus nachzufolgen – hier und jetzt. Vielleicht nicht vom Harz bis ans Meer, aber von heute in den nächsten Schritt, den Gott uns zeigt. Ich wünsche euch für dieses Jahr offene Ohren für Gottes Stimme, mutige Herzen für seine Wege und die Gewissheit, dass er mitgeht. Wohin auch immer der Weg führt.

D. Behrens