Wunschzettel

Liebe Geschwister,

es gibt bei Hildesheim ein Postamt, das in diesen Tagen alle Hände voll zu tun hat. Es handelt sich dabei um das Weihnachtspostamt in Himmelsthür. Jedes Jahr gehen dort Tausende Briefe ein, die an den Weihnachtsmann adressiert sind. In der Weihnachtszeit sind mehrere Menschen damit beschäftigt, jeden einzelnen Brief zu beantworten. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Wunschzettel aussehen. Ich erinnere mich noch gut an meine eigenen Wunschzettel, handgeschrieben auf DinA4. Meine Kinder haben da eine andere Methode. Aus Spielzeugkatalogen werden die Bilder ausgeschnitten und auf ein Blatt geklebt. Ist das Blatt voll, wird ein weiteres Blatt Papier herangeklebt, so dass ihre Wunschzettel schon mal eine Fläche von einem Quadratmeter haben können. Der Weihnachtsmann (und ich) sind aber erleichtert, dass meine Kinder wissen, dass es nicht alles vom Wunschzettel gibt. Manche Wünsche bleiben unerfüllt. Auch das muss man lernen. Wenn Weihnachten dann näher kommt, werden die Wunschzettel abends in den Briefkasten gelegt und sind dann am nächsten Morgen verschwunden, genauer gesagt: sie wurden von den Helfern des Weihnachtsmannes abgeholt. Für Kinder ist es schön, dass sie eine Adresse für ihre Wünsche haben. Eine solche Adresse hätte ich auch gerne. Ich überlege, wie sähe der Wunschzettel aus, den ich als Erwachsener schreiben würde? In Gedanken setze ich mich hin und schreibe ihn auf. Ich notiere, was ich gerne für mich hätte. Ich denke da an einige Bücher, die ich noch gerne in meinem Regal hätte oder an ein neues Fahrrad. Aber ich merke dabei, dass das alles gar nicht so wichtig ist. Wichtiger sind die großen Wünsche. Wichtiger ist das, was dieser Welt fehlt. Frieden zum Beispiel. Dieses Jahr ist uns das auch in Europa wieder bewusster geworden, wie wenig Frieden es auf dieser Welt gibt. Die Engel sangen vom Frieden in der Nacht, in der Jesus geboren wurde:

„Gottes Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe! Sein Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet!“ Lukas 2,14   

Mir fällt dabei noch mehr ein, was ich auf meinen Wunschzettel schreiben könnte. Das Wort Frieden umfasst so viel, zum Beispiel, dass Menschen nicht unterdrückt oder Ressourcen gerecht verteilt werden.

Damit meine kleinen materiellen Wünsche wahr werden, bedarf es nicht viel, oft nur den Gang in ein Geschäft oder eine Bestellung im Internet. Für die großen Wünsche braucht es mehr. Wer sich für Frieden einsetzt braucht Kraft und Mut, oft auch Fantasie und einen langen Atem, vor allem aber Glauben. Ich kann diese Wünsche zu Gott bringen, als Gebet. Das entlastet mich. Wo auch immer ich mich für Frieden einsetze, liegt es nicht nur an mir. Ich muss aber auch anerkennen, dass Gott das nicht alleine machen möchte. Er nimmt mich in die Verantwortung, gemeinsam möchte er das angehen. Die Advents- und Weihnachtszeit bietet die Gelegenheit, sich wieder neu von dem Kind in der Krippe anstecken zu lassen, das groß geworden ist. Dieses Kind hat Frieden gesät und Brot verteilt. Es hat Wunden geheilt und das wahre Leben gebracht. Es möchte uns mitnehmen auf diesem Weg, Hand in Hand.

D. Behrens

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